01.07.2008 Turnierbericht von Fautenbach
Heute, 2 Tage nach dem Turnier , habe ich wieder einen klaren Kopf um einen Turnierbericht abgeben zu können, nachdem das warme Wochenende so ziemlich alles zusammenschrumpfen ließ ...
Freitag: Ankunft abends am Turnierplatz. Dort haben wir erfahren, dass unsere bestellten Turnierboxen 4km entfernt auf einem Bauernhof stehen, da die Boxen an der Reitanlage schon belegt waren. Also hieß es wenden, ein Stück zurückfahren und erst mal die Hotties ausladen und versorgen. Die beiden Buben fühlten sich in ihrer neuen Umgebung gar net wohl, trotz dass dort schon zwei weitere Pferde standen. Erstens waren sie die letzten Jahre nie über Nacht "außer Haus", dazu kamen noch die bis oben geschlossenen Boxen ohne Sichtkontakt und mit Blick und Nase in Richtung stinkenden Schweinestall. Die Beiden gingen ab wie ein Zäpfchen und einer entspannten Nacht war nicht entgegenzusehen. Die Kutschen haben wir wieder die 4 km rüber in den Verein gefahren und nach dem Abladen in die dortigen Reithalle gestellt. Es war schon gegen 21.30 Uhr als wir endlich im Gasthaus Linde ankamen, um die Schlüssel für die Ferienwohnung entgegenzunehmen. Anschließend waren wir noch essen und dann aber ab in die Federn !
Samstag: Um 6.00 Uhr klingelte der Wecker. Im Kopf bin ich noch zig-mal die Dressur durchgegangen und dann aber nix wie raus aus der Kiste. Frisch machen, anziehen und los ging´s in Richtung Stall. Pferde füttern, anschließend verladen und zum Turnierplatz fahren. Im Stall waren Aronne und Jockamo dermassen aufgeregt, schätze mal, dass sie sich irgendwie die Nacht um die Ohren geschlagen und jede Aufmerksamkeit rein diesen Schweinen gewidmet haben. Am Turnierplatz angekommen hieß es, nachdem die Kutsche aus der Halle gezogen wurde, Pferde schön machen, umziehen, anspannen und los zum Abfahrplatz. Jockamo war als erster dran. Er, dem ich nicht mal zutraute, dass er überhaupt eine Dressur durchläuft (die die ihn kennen wissen, dass er vor unserer Zeit sehr verdorben wurde und dass spätestens wenn er einen Platz sieht, nur noch zackelt mit dem Kopf schlägt und sich einfach unmöglich benimmt.) Dennoch wollte ich es wissen. Auf dem Platz war er zu Beginn seltsam ruhig ... Hmmm ... Das legte sich aber nach ein paar Minuten und er fiel wieder in das alte Schema. Im Viereck hat er sich anscheinend etwas zusammengenommen und wir schafften es sogar durchzukommen. Wenn ich Dödel mich vor Aufregung (hab ja selbst seit 4 Jahren nimmer einen Turnier-Dressurplatz von innen gesehen) nicht verfahren hätte, dann hätten wir uns die 15 Minuspunkte sparen können. Nun ja, so wars halt. Aber ich war überglücklich, dass unser Jacko überhaupt nervlich durchgehalten hat. Mit Aronne war ich kurz vor Ende dran. Der war bobbelfest, sehr aufgeregt, unterwegs wieherte er ohne Ende. So kannte ich mein Pferd eigentlich gar nicht. Schätze mal, dass das einspännige Turnierfahren, an dem er seinen Kumpel am Hänger zurücklassen mußte, doch ungewohnt war. Und das alles noch nach so einer Nacht ! ;o) Mit ihm habe ich dann, auf gut Deutsch gesagt, ganz abgeschmatzt. Da war sogar, oh staun, der Jockamo noch besser ! Was soll´s, auch seine Stunde schlägt irgendwann wieder ...
Nachdem wir alles wieder verstaut und die Pferde zurückgebracht hatten, widmeten wir uns der Geländebesichtigung und der Begehung der Geländehindernisse für den Folgetag.
Zurück in der Ferienwohnung, besprachen wir nach ausgiebigem Duschen nochmal jedes einzelne Hindernis. Irgendwie war ich vom Tag "halwa hie" und jetzt sollte ich mir auch noch die Hindernisdurchfahrten merken ! Hilfe ! Ein Hindernis hatten wir noch gar nicht besichtigt, da dies hinter dem Dressurplatz lag, der noch aktiv befahren wurde. Also hieß es Sonnntagmorgen noch früher aufstehen, um wiederholt die Hindernisse anzuschauen UND das Hindernis 4 in Augenschein zu nehmen.
Sonntag: Aufstehen um 5.30 Uhr. Wie gewohnt frisch machen, anziehen und Köfferchen wieder packen, sowie Schlüssel "abgeben". Dann zum Stall. Unsere fleißigen Helferlein (auch) Sabine und Lena fütterten und kümmerten sich um die Pferde, während wir nochmal zum Turnierplatz fuhren und die Hindernisse checkten. Anschließend, Jockamo war wieder als erster dran, hieß es anspannen, aufsitzen, Helme auf und los zum Start A. Pünktlich ging es auf die Strecke und wir lagen bei allen Teilabschnitten voll in der Zeit. Nach 5 km Trab und 1 km Schritt, passierten wir den Zwangshalt. Durch den Vet-Check kamen wir ohne Probleme. In der E Phase ging es nach ca. 2 km zügigem Trab in Hindernis 1. Schwuppdiwupp rein und genauso schnell wieder raus. Wenn man mal das Erste hinter sich hat, denkt man es geht einem besser, aber nach weiteren 2km kamen wir am Turnierplatz zu den Hindernissen 2, 3 und 4. Kurz vorher wurde ich schon wieder etwas nervös. Aber "Wat mut, dat mut !" H2, das Hindernis mit Hügeln und einer schönen großen Wasserdurchfahrt, war einfach toll ! Das Wasser spritzte nach allen Seiten, als wir mit Caracho hineinfuhren. Gernot wurde im Schritt naß bis obenhin, aber keine Zeit für Solches, weiter ging´s zu H3, einem Hindernis in Deutschlandfarben und mit Fähnchen ausgestattet, passend zur Fußball-EM. Es war etwas am Hang gebaut, sodass wir zig-Mal eng und schräg runter und wieder hoch fahren und uns um Bäume wickeln mußten. Das war auch geschafft und dann hatten wir noch H4 vor uns. Ein Hindernis mit einer Brücke gebaut wie ein Kreuz, sodass sie von allen Seiten und Winkeln be- und durchfahren werden mußte. Aber auch dies hat Jacko gut gemeistert und wir kamen ohne Verluste heil im Ziel an. Gut geschafft mußten wir dann noch im Schritt die 4 km zurück in Richtung Stall fahren ... Dort angekommen wurde Jacko schnell aus- und Aronne dafür eingespannt. Dann wieder rauf auf den Bock und weiter gings´erneut zu Start A. Unser guter Aronne war wieder drauf wie Luzzie und hat erneut Druck gemacht ohne Ende. Wie schon erwähnt, so kannte ich mein Pferd nicht. Wir haben auch mit ihm alle Teilabschnitte in der Zeit bewältigt und ebenso den Vet-Check gut passiert. Unterwegs zum ersten Hindernis sagte ich noch zu Gernot, der Aronne ist so fest, wie soll ich den denn durch die Hindernisse manövrieren ? Aronne lief, als wäre der Teufel hinter ihm her, auch hier hatte er unterwegs noch Zeit zu schreien. Schätze, er hat verzweifelt nach seinem Kumpel gerufen. Angekommen an H1 dachte ich noch, ich spinn ! Aronne griff an, zog durch, ließ sich gut manövrieren und kam mit einer schnelleren Zeit aus dem Hindernis als Jockamo ! Weiter ging´s zu H2, da hatte ich Bauchschmerzen, weil ich mit Aronne einzeln noch nie durch Wasser gefahren bin. Aber siehe da, der "Kämpfer" galoppierte volle Welle in die Welle und mit viel Gerausche und Wassergespritze kamen wir ohne zu zögern durch ! Toll ! Die letzten Hindernisse waren für ihn auch kein Thema und so kamen wir gut, doch leider 15 Sekunden zu schnell (das gibt leider Strafpunkte) ins Ziel. Jetzt noch die 4 km im Schritt zum Stall, dann lag diese Teilprüfung auch hinter uns. Im Stall wurden die Jungs ordentlich von Sabine und Lena geduscht und gut versorgt. Gernot und ich fuhren mit dem Auto wieder rüber zum Turnierplatz um zu schauen, wann wir beim Kegelfahren dran sind. Oh jeh ! Nur eine halbe Stunde Zeit ! Und dann noch zuvor Verfassungskontrolle ... Also wieder schnell ins Auto, rüber in den Stall die Pferde verladen, alles zusammenräumen und los zum Turnierplatz ! Was ein Act ! Das Hin- und Hergefahre allein hat einen schon geschlaucht ! Verfassung lief mit Beiden gut, aber das Kegelfahren hätten wir uns schenken können. Die Pferde hatten um die Mittagszeit keinen Bock mehr, nachdem sie grad morgens die Geländefahrt hinter sich gebracht hatten. Mir ging es ehrlich gesagt, ebenso. Ich war zu dem Zeitpunkt nimmer "halwa hie", sonder kurz vor "ganz hie" ! Diese Hitze, morgens zwei Geländefahrten hinter mir, nix im Magen ... Einfach irgendwie k.o. Aber dennoch waren wir tapfer, haben uns hurtig die Hindernisse gemerkt und sind mit Ach und Krach, aber nach Achenbach, durchgefahren ! ;o)
Auf der Heimfahrt, an der Ausfahrt Bruchsal, machte unser Auto schlapp. Auch das noch ! Was war das für einen Act bis Zuhause ! Bis dahin waren wir alle "GANZ HIE" !
Unsere Schweißtropfen kann man hier leider nicht sehen ... **grins**
Während des Turnier hab ich mich echt gefragt für was man sich diesen Act überhaupt gibt. Aber die Turnieratmosphäre zu erleben war mal wieder toll und trotz dass die Dressur- und das Kegelfahren nicht gut liefen, war ich dennoch stolz auf Jockamo, der seine Nerven relativ gut im Griff hatte und für mich kämpfte, obwohl er sicherlich im Kopf dem Turniergeschen für alle Zeiten den Rücken gekehrt hatte und trotz dass ich so selten mit ihm geübt habe. Aronne, der sich sehr anstellte und angenervt war, hat dennoch eisern mit Kraft und Mut Kampfgeist bewiesen und ich spürte er würde mit mir ebenfalls durch dick und dünn gehen. Das tut einfach nur gut !
Fazit: Es war mal wieder ein Erlebnis. Erfolgreich waren wir nicht, aber glücklich ! Um viel Erfahrungen reicher und die Überlegungen hierzu werden wachsen. Ich muss sagen, es war festzustellen, dass man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann. Das heißt Menschen und Pferde ausbilden ist eine Sache, selbst trainieren um sportlich erfolgreich zu sein eine Andere. Beides läßt leider meine Zeit und meine Energie nicht zu. Muss mal sehen, wie wir weiter verfahren. Aber ruhen läßt es meinen Geist nicht ... Ich möchte ... Wenn Ihr wisst was ich meine ...
Wir kommen wieder.